Archiv der Kategorie: Politik & Gesellschaft

Der Tod der deutschen Sprache

Als gebürtiger Tscheche war meine Jugend, geprägt durch innere Rebellion gegen Hierarchie und Autorität, ein Kampf gegen das Deutsche. Ich wollte einerseits meine Herkunft nicht verleugnen, weshalb ich trotz gutgemeinten Ratschlägen von Lehrern das starke, rollende „R“ meiner Muttersprache nicht ausbessern wollte und  andererseits habe ich das internationalere Englisch stark bevorzugt. Mit der Zeit habe ich das Österreichische und die dazugehörige deutsche Sprache jedoch lieben gelernt. Selten ist eine Sprache bei richtiger Aussprache durch die unterschiedlichsten Stimmtypen so wohlklingend und rund wie die deutsche (dabei sei jedoch darauf hingewiesen, dass dies nicht zur Gänze von den verschiedenen regionalen Interpretationen der Sprache behauptet werden kann). Sogar das grammatikalisch einfachere und international verbreitetere Englisch kommt weder optisch, v.a. durch Ihren Mangel an der Großschreibung von Nomen, die dem Auge schmeicheln würde (wie es im deutschen der Fall ist), noch akustisch dem Deutschen nahe. Dies ist selbstverständlich eine subjektive und diskutierbare Sicht der Dinge. So wird die deutsche Sprache zB auch bis heute sowohl für satirische Darstellungen des Nationalsozialismus als auch leider für immer noch vorhandene ernstgemeinte Ansagen desselben Gedankenguts verwendet. Dies wirft auf keinen Fall gutes Licht auf diese Jahrhunderte alte Sprache. In einer Sache werden sich aber die meisten einig sein, die deutsche Sprache ist schön; zumindest war sie das noch vor nicht allzu langer Zeit. Die Tendenzen der letzten Jahre, v.a. im universitären Bereich drängen sie nämlich langsam mit beständiger Sicherheit an einen Rand des unlesbaren und unbrauchbaren Abgrunds.

Es wäre dazu sogar eine neutrale(!) Befragung aller Studenten und Universitätsmitarbeiter anzudenken, um herauszufinden in welchem Ausmaß das brachiale Gendern tatsächlich angenommen wird. Was nämlich allen bewusst sein müsste, ist die Tatsache dass Anti-Gender Bewegungen keine Anti-Emanzipation Bewegungen sind. Emanzipation ist eine großartige Sache, die ich sehr Befürworte, solang sie die notwendigen Ziele verfolgt und ihre Kraft stattdessen nicht daran verschwendet der deutschen Sprachkultur perverse Wortkonstruktionen wie „RechtsanwältInnenanwärterInnen“ oder „ÄrztInnenkammerpräsidentInnen“, anzueignen, den Zusatz „Frau“ zum geschlechtsneutralen „Man“ beizufügen oder das Ändern der Nationalhymne durchzusetzen. Frauen müssen gleichberechtigt sein, was auch heute leider immer noch nicht erreicht werden konnte. So verdienen Frauen in fast allen Arbeitsbereichen trotz gleicher Arbeitszeiten und identischer Ausbildung weniger als ihre männlichen Kollegen.
Dazu wird es bis heute noch immer nicht genügend respektiert und unterstützt, dass Frauen der Zukunft Leben schenken. Trotz Mutterschutz werden Frauen der Reihe nach entlassen nachdem sie ein Kind bekommen haben oder sobald man erfuhr dass die Frau schwanger war. Mal abgesehen von der Tatsache, dass dieser Umstand dazu führt, dass Paare immer öfter darauf verzichten Kinder oder zumindest mehrere Kinder zu bekommen, was eine drastische und gesellschaftspolitisch verantwortungslose Senkung der Geburtenrate zur Folge hat, ist diese Behandlung von Frauen verachtenswert und weit weg von fairer Behandlung. Diese und ähnlich Missstände müssten Frauenbewegungen, nein die gesamte Gesellschaft, bekämpfen. Faire Gleichberechtigung ist ein notwendiger und unabdingbarer Schritt in Richtung Zukunft, aber das Gendern der deutschen Sprache wird dabei niemandem helfen. Welcher Frau ist dabei geholfen, wenn sie statt einem Leserbrief einen LeserInnenbrief schreiben darf, wenn ihre Anliegen trotzdem nicht angehört werden? Sie bekommt weiterhin ein geringeres Honorar als ihr Kollege…

Jeder intelligenten und modernen Frau ist bewusst, dass sie durch die Verwendung des männlichen Neutrums weder benachteiligt, noch in ihren Rechten beschnitten wird. Die seltsamen genderbedingten grammatikalischen Wirren oder die optisch und sprachlich unschönen Großschreibungen in der Wortmitte hindern die Leser eher daran den Text als flüssig und angenehm zu empfinden. Doch mehr als die Leser und Leserinnen, die inzwischen über diese Genderkonstruktionen hinweglesen, stoßen sich die Autoren dieser Texte den Kopf am derzeitigen System. Das Verwenden einer Genderklausel und der damit verbundene Mangel am nachträglichen Gendern der eigenen Arbeit, hat des Öfteren einen Notenabzug zur Folge. Der Wunsch die schöne deutsche Sprache in seinen Texten zu erhalten wird also sogar bestraft und das Verwenden von unerwünschten Ausdrücken auferzwungen.

Die größte Frage bleibt also: Mit welchen Vorteilen ist das obligatorische Gendern denn verbunden? Auf der Seite gender-mainstreaming.net finden sich dazu folgende Punkte:

  • Die Gleichbehandlung der Geschlechter und das Recht auf gleiche Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen sind grundlegende Menschenrechte.
  • Die Gleichstellung von Frauen und Männern vergrößert die Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die zu annähernd gleichen Teilen aus Frauen und Männern besteht.
  • Die gleiche Teilnahme und Teilhabe von Frauen und Männern in allen Bereichen der Gesellschaft bedeutet die volle Verwirklichung von Demokratie.
  • Die gleiche Einbeziehung von Frauen und Männern in die Politik führt zu einer anderen, ausgewogeneren Politik und gesellschaftlichen Entwicklung.
  • Arbeit, Kreativität und Entscheidungsmacht auch von Frauen sind für die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar.
  • Gleichstellung bedeutet in vielfacher Hinsicht für Frauen und Männer eine höhere Lebensqualität und mehr Entscheidungsfreiheit für die eigene Lebensgestaltung und zeigt für nachfolgende Generationen neue Lebensperspektiven auf.

All dies ist doch zu 100% zu befürworten und gehört unterstützt, doch wieso muss die deutsche Sprache darunter leiden? Inwiefern trägt dieses radikale „ver-gendern“ dazu bei diese Ziele zu erreichen? Bisher drängt die Tendenz eher dazu, dass man die Verfolger dieser Ziele nicht mehr ernst nimmt, da sie scheinbar nur daran interessiert sind einem jeden männlich klingenden Hauptwort ein großes „I“ und ein kleines „n“ anzuhängen. Ein solches radikales Vorgehen gegen die geschlechtsneutrale, nicht-diskriminierende und deutsche Sprache stößt zumeist nur gegen Unverständnis und „Kopfschütteln“. Die an der Macht sitzende Minderheit drängt aber daran dieses Vorhaben, trotz Unmutes der Betroffenen durchzusetzen. Egal ob man will oder nicht, muss man seine Sätze und Wörter gendergerecht umformulieren. Wieso kann dies nicht als Option ermöglicht werden, für diejenigen, die sich dann besser fühlen wenn sie solche Wortkonstellationen verwenden dürfen, ohne dass man alle dazu zwingt?

Mein Fazit: „Frauen vor!! Aber lasst dabei die deutsche Sprache in Ruhe!“

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